Dudelsackspieler

Presse

Der Mann mit dem Rock
aus „Neue Westfälische“ vom 25. Oktober 2006 von Nicole Sielermann

Konstantinos Sakkos ist Grieche, lebt in Deutschland und spielt den schottischen Dudelsack

Löhne. Schotten in Griechenland? Konstantinos Sakkos schüttelt den Kopf. Gab's nicht. Und somit auch keinen Dudelsack. Den kannte der 35-jährige nur aus dem Fernsehen. „Einfach toll“ sagt er schwärmend über die Musik. Doch in Nordgriechenland, nahe Thessaloniki, hatte er keine Chance, das Instrument zu lernen. Inzwischen lebt er seit 12 Jahren in Deutschland. Und spielt vermutlich besser als mancher Schotte. Saxophon hatte Konstantinos Sakkos schon in der alten Heimat gelernt. „Ich habe lange Jahre in einer Band gespielt“, sagt er. Kein Wunder, dass er sich nach seinem Umzug in der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Werste mehr als wohl fühlte. Und Kurt Eilbracht kennenlernte. Der wiederum einen Dudelsack hatte, ihn aber nicht spielen konnte. Und ihn Kostas Sakkos zum Testen gab. „Puh“, der Gohfelder kommt noch immer ins Schwitzen, wenn er an seinen ersten Kontakt mit den vielen Stöcken und Hölzern denkt. „Ich hab den dann abends einfach im Wohnzimmer abgelegt.“ So ungünstig, dass Ehefrau Iris sich verhakte und stolperte. Und den Dudelsack kaputt machte. „Panik“, mit diesem einzigen Wort beschreibt Kostas Sakkos die Situation. „Heute kann ich darüber lachen“. Doch der Grieche telefonierte sich quer durch Ostwestfalen. Niemand konnte helfen. Hilfe kam erst in Form einer Bielefelder Dudelsack-Band. Inzwischen spielt Sakkos dort seit neun Jahren mit. Ausstaffiert mit Kilt (mit Karo-Muster Prinz Charles Edward Stewart), Gamaschen und Hut schultert der Industriemechaniker seinen Dudelsack. Pustet mit drei Atemzügen den 25-Liter-Luftsack auf und ist startklar. „Ein Druck auf den Luftsack ergibt einen Akkordton“ erklärt er. Kombinert aus einem Bass- und zwei Tenortönen. Ergänzt werden diese durch die Flöte, die auf neun Noten ausgelegt ist. „Der Dudelsack ist ein Gefühlsinstrument“, erklärt der 35-Jährige. Er zum Beispiel spiele gerne langsame Melodien. „Musiker kann man immer an ihrer Musik erkennen“, ist Sakkos überzeugt. Viele bekämen eine Gänsehaut, wenn die ihn spielen hörten. „Und manche weinen auch, so schlecht spiele ich“, sagt er lachend. Doch es sind wohl eher Tränen der Rührung, die die Zuhörer vergießen, wenn Konstantinos Sakkos „Amazing Grace“ bei einer kirchlichen Trauung zum besten gibt. Zwei Dudelsäcke (á 1.500 Euro), Small Pipes, Irische Flöte und natürlich Saxophon – der Gohfelder spielt sie alle. Und lässt das Haus dröhnen. „Drinnen hört sich der Dudelsack schon sehr laut an, gibt er schmunzelnd zu. Kein Wunder, dass sich Tochter Christina vorsichtshalber die Ohren zuhält. „Zum üben habe ich deshalb einen elektronischen Dudelsack. Mit Kopfhörern.“ Sieben Generationen dauert es nach Meinung der Schotten, bis jemand den Dudelsack perfekt beherrscht. Konstantinos Sakkos zeigt, dass es auch anders geht. Unterrichtet er doch in Bielefeld neue Bandmitglieder in der Kunst des richtigen Pustens. „Ich würde gerne eine Band gründen“, sagt er. Mit verschiedenen Instrumenten. Nachfragen bei den Musikschulen liefen aber ins Leere. „Vielleicht meldet sich ja jetzt einer“, hofft er.

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